Chronik der Ausbildungsstelle beim Fernmeldeamt Gießen

 

Die Geschichte des Fernmeldewesens im Gebiet Mittelhessens reicht bis in die 60er Jahre des 19. Jahrhunderts zurück. Trotz zahlreicher Nachrichten aus der Pionierzeit der heimischen Fernmelderei und einer zunehmenden Bedeutung der Nachrichtentechnik für Wirtschaft und Gesellschaft, finden sich so gut wie keine Nachweise über eine gezielte Ausbildung der Beschäftigten.

Der Bereich des Fernmeldewesens war, abgesehen vom Zeitraum 1908 bis 1932, als in Gießen ein eigenständiges Telegrafen- und Telegrafenbauamt bestand, als Abteilung dem Postamt Gießen angegliedert. Ähnliche Verhältnisse finden sich in den Städten des Umlandes.

Nach Auflösung des Telegrafenbauamtes Limburg im Jahre 1934 übernahm  das Telegrafenbauamt Wiesbaden diesen Bezirk. Die Betreuung des Linientechnischen Bereiches der damals bestehenden Fernmeldedienststellen Gießen, Wetzlar, Dillenburg und Marburg übernahm ebenfalls das TBA Wiesbaden. Diese Zuordnung bestand bis zur Gründung des Fernmeldeamtes Gießen am 1. April 1955.

In den ersten Jahren nach dem Zusammenbruch galten alle Bemühungen dem schnellen Wiederaufbau. Einer Aus- und Fortbildung der Beschäftigten wurde nur geringe Bedeutung beigemessen und beschränkte sich auf das Notwendigste.

Hinzu kam, dass den gestiegenen Anforderungen an die Betriebskräfte der damaligen Werkmeisterlaufbahn die inzwischen überholten Ausbildungsinhalte nicht mehr gerecht werden konnten und die seit 1925 nur am Sitz der größeren Ämter durchgeführten Ausbildung zum Fernmeldebauhandwerker zu einseitig auf den Linienbaudienst ausgerichtet war. Nachwuchskräfte für den fernmeldetechnischen Dienst in der Region Gießen mussten bei den auswärtigen Ausbildungsstellen in Frankfurt und Kassel untergebracht werden.

Verbesserungen traten ein, als Ernst August Deierling nach Beendigung seiner Ausbildung nach Gießen versetzt wurde und die Leitung der neuen Unterrichtsstelle (Un) übernahm. Unterstützt wurde er von Lehrbeamtinnen für die praktische und fachtheoretische Ausbildung.

Hauptaufgabe der Unterrichtsstelle war die Aus- und Weiterbildung des Personals der handvermittelten Fernämter und der Telegraphie.

Schulung der Nachwuchskräfte im Lehrsaal

 

 Praktische Ausbildung am Fernschrank

 

Eine Ausbildung für die Nachwuchskräfte im fernmeldetechnischen Bereich, die durch eine rasant fortschreitende Entwicklung und den wachsenden Personalbedarf immer notwendiger wurde, konnte auch nach der Gründung des Fernmeldeamtes in Gießen zunächst nicht realisiert werden.

 

Die Gründung der Ausbildungsstelle beim Fernmeldeamt Gießen

 

Am 1. April 1955 wird nach einer längeren Vorbereitungs- und Planungsphase das Fernmeldeamt Gießen gegründet (siehe www.sbr-giessen.de/chronik). Erster Amtsvorsteher wird der Oberpostrat Dipl. Ing. Christoph Wolff. Auf den Tag genau vier Jahre später, am 1. April 1959, schlägt beim Gießener Fernmeldeamt die Geburtsstunde der Ausbildungsstelle für Fernmeldelehrlinge. Die Leitung der neuen Dieststelle übernimmt Ernst August Deierling, der bisher die Unterrichtsstelle leitete.

Gießener Freie Presse vom 6.4.1955

 

Da das neue Ausbildungsgebäude in der Ludwigstraße nicht mehr rechtzeitig fertig gestellt werden kann, erfolgt der Start des ersten Ausbildungsjahrganges in einem Provisorium. In den Räumen des alten „Karstadtbaus“ im Seltersweg müssen die ersten 20 Lehrlinge ihren Ausbildungsabschnitt „Metallbearbeitung“ beginnen. Unter der fachkundigen Anleitung von Karl Siegfried, Horst Kraus und Werkstattleiter Adolf Haseneier, den Männern der ersten Stunde.

Gießener Freie Presse vom 21.4.1959

letzte Aktualisierung 24.07.2013

 

…… wird fortgesetzt!

Quellen:               1.     Schrift zum Treffen der ehemaligen Gießener Fernmeldelehrlinge zum 50. Jubiläum am 8.12.2011 auf Burg Gleiberg.

                             2.     Schrift 25 Jahre Berufsbildungsstelle beim Fernmeldeamt Gießen, 1984.

                             3.     Postgeschichtliche Aufzeichnungen des Fernmeldeamtes Gießen. 

                             4.     100 Jahre Telefon. Druckwerk zum Neubau des Fernmeldeamtes Gießen, 1988 

                             5.     Zeitungsarchive mittelhessischer Tageszeitungen